Eine Michael Page Umfrage unter rund 16.000 Beschäftigten in Europa zeigt, welchen Stellenwert die Work-Life-Balance heute hat. Für 57 % der Befragten sind eine gute Balance zwischen Beruf und Privatleben sowie die psychische Gesundheit wichtiger als beruflicher Erfolg.

Doch wie ist es zu diesem Wandel gekommen?

Die Pandemie hat die Erwartungen an die Arbeitswelt nachhaltig verändert. Flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice und hybrides Arbeiten haben vielen Menschen neue Möglichkeiten eröffnet. Gleichzeitig hinterfragen immer mehr Beschäftigte, wie ihre Arbeitszeit künftig aussehen soll und welchen Stellenwert Arbeit in ihrem Leben einnehmen soll.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die 4-Tage-Woche zunehmend an Aufmerksamkeit.

Das Experiment zur 4-Tage-Woche

Die Idee hinter den internationalen Pilotprojekten ist einfach: Unternehmen testen eine verkürzte Arbeitswoche bei gleichbleibendem Gehalt.

Viele der Versuche orientieren sich am sogenannten 100:80:100-Modell. Mitarbeitende arbeiten 80 % ihrer bisherigen Arbeitszeit, erhalten weiterhin 100 % ihres Gehalts und sollen 100 % ihrer Produktivität erreichen.

Ziel ist herauszufinden, ob Unternehmen Leistung, Mitarbeiterzufriedenheit und Wirtschaftlichkeit auch mit weniger Arbeitszeit aufrechterhalten können.

Die Vorteile der 4-Tage-Woche

Die bisherigen Ergebnisse fallen überwiegend positiv aus. Häufig genannte Vorteile sind:

  • Bessere Work-Life-Balance
  • Weniger Stress und geringere Burnout-Gefahr
  • Verbesserte körperliche und mentale Gesundheit
  • Höhere allgemeine Lebenszufriedenheit
  • Mehr Zeit für Familie, Freizeit und persönliche Interessen

Auch in europäischen Pilotprojekten zeigen sich ähnliche Entwicklungen. Nach einer Testphase in Valencia berichteten viele Teilnehmende von weniger Stress, mehr Erholung und einer höheren Zufriedenheit im Alltag.

Die Herausforderungen

Trotz vieler positiver Erfahrungen ist die 4-Tage-Woche nicht für jedes Unternehmen gleichermaßen geeignet.

Einige Unternehmen berichteten, dass die reduzierte Arbeitszeit zu einem höheren Arbeitsdruck an den verbleibenden Arbeitstagen führte. In manchen Fällen wurde die Arbeit verdichtet, wodurch Mitarbeitende die kürzere Woche als belastend empfanden.

Hinzu kommt, dass sich bestimmte Tätigkeiten und Geschäftsmodelle schwieriger auf eine verkürzte Arbeitswoche übertragen lassen. Gerade in Bereichen mit komplexen Prozessen oder hoher Kundenabhängigkeit müssen Unternehmen individuelle Lösungen finden.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen daher: Eine 4-Tage-Woche kann funktionieren, erfordert aber die passenden Rahmenbedingungen.

Was frühere Pilotprojekte zeigen

Bereits vor den aktuellen Initiativen wurde die 4-Tage-Woche in mehreren Ländern getestet.

In Schweden führte ein Modellversuch zu einer besseren Work-Life-Balance und geringerem Stress bei den Beschäftigten. Gleichzeitig entstanden zusätzliche Kosten, da Unternehmen teilweise weiteres Personal einstellen mussten.

In Island fielen die Ergebnisse deutlich positiver aus. Dort blieben Produktivität und Leistung stabil oder verbesserten sich sogar. Gleichzeitig gingen Stress- und Burnout-Symptome zurück. Heute arbeiten viele Beschäftigte dort bereits mit flexibleren Arbeitszeitmodellen oder haben die Möglichkeit, diese bei Bedarf zu nutzen.

Fortschrittliche Auswirkungen einer 4-Tage-Woche

Eine kürzere Arbeitswoche könnte auch erhebliche Auswirkungen sowohl auf die Umwelt als auch auf die Geschlechtergerechtigkeit haben.

Die aktuellen Daten belegen die positiven Auswirkungen einer 4-Tage-Woche auf die Umwelt. Obwohl diese Auswirkungen momentan noch begrenzt sind, gibt es doch Anlass zur Ermutigung: Während der jüngsten Versuche in Valencia verbesserte sich die Luftqualität in der Stadt aufgrund eines Rückgangs des Pendlerverkehrs und der damit verbundenen Verringerung schädlicher Emissionen.  

Ebenso ergab eine frühere Studie in den Vereinigten Staaten, dass eine Verringerung der Arbeitszeit um 10% zu einer Verkleinerung des CO2-Fußabdrucks eines Arbeitnehmers um 8,6% führen kann.

Frauen tragen eine unverhältnismäßig große Verantwortung für die Betreuung von Angehörigen. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, dass fast ein Drittel der Frauen im letzten Jahr erwogen hat, ihre Arbeitszeit zu reduzieren oder aus dem Berufsleben auszusteigen – auch wenn dies mit finanziellen Einbußen und Karriereverlusten einherginge.  

Bemerkenswert ist, dass Männer den jüngsten Studien zufolge durch einen zusätzlichen freien Tag 22 % mehr Zeit für die Kinderbetreuung und 23% mehr Zeit für die Hausarbeit aufwenden konnten, während Frauen weniger Zeit für diese Aufgaben aufbringen mussten.  

Die Folgen liegen auf der Hand: Die Einführung einer 4-Tage-Woche ohne Kürzung der Vollzeitbezüge könnte dazu beitragen, geschlechterspezifische Ungleichheiten zu beseitigen und Frauen sowohl in ihrer beruflichen Laufbahn als auch in ihren Betreuungsaufgaben zu stärken.

Mehr als 63% der Fortune-500-Unternehmen in Europa haben sich zur Gleichstellung der Geschlechter verpflichtet. Einige dieser Unternehmen sind sicher, dass die Zukunft geschlechtergerechter sein wird. In unserem Leitfaden erhalten Sie weitere Informationen darüber, wie Sie sich als Frau in der Technologiebranche an die Spitze arbeiten können.

Die Zukunft der 4-Tage-Woche

Deutschland hat bereits eine der kürzesten Arbeitswochen in Europa. Dies hat jedoch den Arbeitnehmerwunsch nach einem 3-Tage-Wochenende nicht gedämpft, was einige Unternehmen zur Kenntnis genommen haben. Ecosia, eine Suchmaschine, mit deren Gewinnen ökologische Ziele verfolgt werden, gewährt einen zusätzlichen freien Wochentag und kürzt die Gehälter seiner Mitarbeiter entsprechend um 20%. Der Messgerätehersteller KRÜSS unterteilt eine 36-Stunden-Woche auf 4 Tage bei vollen Bezügen.  

Auch die in Deutschland gegründete Marketingplattform Awin bietet eine attraktive Regelung: Das Unternehmen gewährt in seinen Niederlassungen weltweit – 9 Standorte befinden sich in Europa – eine 4-Tage-Woche mit reduzierter Arbeitszeit und ohne Gehaltseinbußen. Seit Einführung dieser Regelung konnte Awin seine Gewinne um durchschnittlich 13% pro Jahr steigern.

Im Jahr 2022 ging Belgien als erstes europäisches Land in die Geschichte ein, indem es eine 4-Tage-Woche in seine Gesetzgebung aufnahm. Diese Gesetzgebung garantiert den Arbeitnehmern, dass sie keine Gehaltseinbußen hinnehmen müssen. Jedoch impliziert es, dass die Vollzeitstunden auf vier Arbeitstage verteilt werden sollten – eine Maßnahme, die zu einem Burnout der Arbeitnehmer führen kann. Und so zeichnet sich eine große Sorge bei der Unternehmerschaft ab, denn trotz der jüngsten und durchaus überzeugenden Studienergebnisse sind nicht alle Betriebe davon überzeugt, dass eine Reduzierung der Arbeitszeit ohne Produktivitätseinbußen gelingen kann.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, über die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz (KI) auf die Arbeitswoche nachzudenken. Aktuelle Studien bestätigen die Befürchtungen vieler Arbeitnehmer, KI könne einen Teil ihrer Arbeitszeit ersetzen. Denn die Ergebnisse zeigen, dass die Arbeitszeit für 28% der Arbeitnehmer von 40 auf 32 Stunden reduziert werden könne. Sinnvoll eingesetzt ermöglicht es KI den Arbeitnehmern, effizienter zu arbeiten und dabei ihr derzeitiges Lohn- und Leistungsniveau beizubehalten. Microsoft-Gründer Bill Gates geht noch einen Schritt weiter und schlägt vor, dass KI in Zukunft den Weg für eine 3-Tage-Woche ebnen könne.

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Der Schlüssel für eine bessere Work-Life-Balance

Immer mehr Länder und Unternehmen versuchen eine 4-Tage-Woche zu implementieren - mit kürzeren Arbeitszeiten und bei vollem Lohnausgleich. Deutschland hat zuletzt ein Pilotprojekt mit 45 Unternehmen gestartet, bei dem man unter wissenschaftlicher Begleitung herausfinden möchte, wie gut die Idee der 4-Tage-Woche bei deutschen Unternehmen funktioniert.  

In ganz Europa sind viele Arbeitnehmer und Bewerber der Überzeugung, dass die Einführung einer 4-Tage-Woche inzwischen ausreichend legitimiert ist. Wenn auch Sie glauben, dass eine 4-Tage-Woche das für Sie geeignete Arbeitswochenmodell ist, dann scheint der Zeitpunkt für einen Wechsel ideal.  

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