Lebensqualität am Arbeitsplatz: wie wir Wohlbefinden und Leistung in Einklang bringen

Erfolg und Zufriedenheit im Berufsleben bedeuten für viele Beschäftigte heute vor allem eine ausgewogene Work-Life-Balance und persönliches Wohlbefinden. Karrierefortschritt und Gehalt bleiben wichtig, stehen jedoch nicht mehr allein im Mittelpunkt. In unserer Talent Trends Studie gaben 68 % der Befragten an, dass sie eine Beförderung zugunsten ihres Wohlbefindens ablehnen würden. Gleichzeitig ist die Work-Life-Balance für 31 % der Beschäftigten die wichtigste Priorität im Berufsleben. Vor diesem Hintergrund und angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels können Arbeitgeber die Lebensqualität am Arbeitsplatz (engl. Quality of Working Life, kurz QWL) nicht länger ignorieren. Hier finden Sie praktische Tipps für eine erfolgreiche QWL-Strategie.
Die Qualität des Arbeitslebens bezieht sich auf alle Maßnahmen, die dazu dienen, sowohl die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten als auch die Gesamtleistung der Unternehmen zu verbessern.
Das Konzept QWL umfasst Wohlbefinden und Leistung zugleich. Das bringt große Herausforderungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmende mit sich. Für die Beschäftigten bedeutet eine durchdachte QWL-Strategie in erster Linie eine Förderung ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit, insbesondere durch die Vermeidung von psychosozialen Risiken. Dies umfasst alles, was die körperliche Unversehrtheit und psychische Gesundheit von Arbeitnehmenden in ihrem Arbeitsumfeld beeinträchtigen kann. Die häufigsten Risiken sind:
Das wiederholte Erleben solcher Situationen bei der Arbeit hat möglicherweise Folgen für die seelische und/oder körperliche Gesundheit der Beschäftigten, wie etwa kardiovaskuläre Erkrankungen, Erkrankungen der Muskeln oder des Skeletts, Angststörungen, Depressionen oder Erschöpfungszustände. Neben dem Schutz der psychischen und physischen Gesundheit ermöglicht die Einführung einer QWL-Politik den Mitarbeitenden auch eine bessere berufliche Weiterentwicklung, durch die Berücksichtigung Faktoren wie:
In Anbetracht der oben genannten Elemente haben Arbeitgebende ein direktes Interesse an der Einführung eines QWL-Ansatzes. Eine gute QWL-Politik hilft nicht nur dabei Fehlzeiten zu verringern, weil Risiken für die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz verringert werden, sondern fördert auch die Zufriedenheit am Arbeitsplatz, was wiederum Talentbindung und Employer-Branding stärkt. Laut einer Harvard und MIT-Studie reduziert eine höhere Zufriendenheit am Arbeitsplatz die Fehlzeitenquote um das sechsfache. Eine gute QWL-Strategie fördert auch die Anziehung und Bindung von guten Fachleuten. Der Talent Attraction Index in unserer Talent Trend Studie misst den Einfluss verschiedener Faktoren, die Bewerber beeinflussen. Zu den drei Hauptfaktoren zählen:
Flexibilität, berufliche Entwicklung, Zugehörigkeitsgefühl – all diese Faktoren hängen direkt mit einer guten QWL-Strategie zusammen. Schließlich sind glückliche Arbeitnehmende nicht nur eher bereit, in Unternehmen zu kommen und zu bleiben. Sie leisten auch mehr: Glückliche Arbeitnehmende sollen 31% produktiver und 55% kreativer sein als unzufriedene Mitarbeitende. Das Wohlbefinden der Mitarbeitenden bringt Effizienz, Leistung und Attraktivität – eine Win-Win-Situation.
Um einen QWL-Prozess gut umzusetzen, können diese 4 Schritte die Umsetzung vereinfachen: Konzipieren, Diagnostizieren, Experimentieren, Etablieren.
Phase 1: Konzipieren
In dieser Phase wird eine aussagekräftige Arbeitsgruppe gebildet. Diese kann zum Beispiel aus Arbeitnehmenden und Mitgliedern des Managements oder des Betriebsrats, bestehen. Die Arbeitsgruppe definiert die Herausforderungen und Probleme, mit denen die Beschäftigten konfrontiert sind (z. B. Arbeitsbelastung, große Müdigkeit), die Sorgen einzelner Teams/Abteilungen (z. B. Kommunikation, Personalmangel) und der Geschäftsleitung (etwa Fluktuation, Produktivität). Dann wird eine gemeinsame Vision erarbeitet.
Phase 2: Diagnostizieren
In der zweiten Phase geht es darum, die in der ersten Phase ermittelten Hauptprobleme tiefer zu analysieren. Dafür werden alle Beschäftigten befragt. Die einfachste Methode ist ein anonymer Fragebogen. Es wird geschätzt, dass mindestens 60% der Belegschaft teilnehmen müssen, damit der Fragebogen repräsentativ ist. Daher ist es wichtig, die Beschäftigten entsprechend zu sensibilisieren. Weitere sinnvolle Methoden in dieser Phase sind Jobanalysen, Brainstormings und Workshops. Hierbei geht es nach wie vor darum, mithilfe möglichst vieler Rückmeldungen einen Aktionsplan zu erstellen, der den Erwartungen der Beteiligten entspricht.
Phase 3: Experimentieren
In dieser Phase kommt es darauf an, Maßnahmen einzuführen und zu testen, damit die Beschäftigten eine Veränderung spüren. Maßnahmen sollten nach einiger Zeit angepasst werden, wenn die erwarteten Ergebnisse ausbleiben. Maßnahmen können für kurz- bis langfristige Ergebnisse ausgelegt.
Einige Beispiele:
Phase 4: Etablieren
Monitoring ist Voraussetzung für einen funktionierenden QWL-Ansatz – vor allem, weil manche Maßnahmen unvorhergesehene Konsequenzen haben können. Beispiel: eine überstürzt eingeführte Homeoffice-Regelung kann einzelne Mitarbeitende frustrieren, weil sie persönlich nicht davon profitieren. Weiteres Frustpotenzial liegt in der Frage, ob alle ausreichend Platz und auch ansonsten passende Rahmenbedingungen haben, sich zu Hause entsprechend einzurichten. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Beschäftigten weiter zu befragen. So wird erkannt, wenn bestimmte Maßnahmen nicht so effektiv sind wie erwartet. Diese können dann korrigiert oder zurückgenommen werden. Ohnehin gibt es immer Menschen, die sich Veränderungen widersetzen. Deshalb ist es während des Übergangs wichtig, zuzuhören und Dialoge zu führen.
Bei diesen Fragen ist nicht immer einfach, aktiv zu bleiben. Zögern Sie daher nicht, eine externe Fachperson hinzuzuziehen. Andernfalls eignet sich für diese Aufgabe auch ein CSR-Beauftragter, ein Chief Happiness Manager oder ein HR-Fachperson.
Hier sind einige Beispiele für Initiativen, die im Rahmen eines QWL-Ansatzes denkbar sind:
Möchten Sie mehr über die heutigen Erwartungen von Bewerbern erfahren? Lesen Sie unsere Studie „Talent Trends“*.
*Talent Trends 2026 ist unsere umfassende globale Studie zur modernen Arbeitswelt. Weltweit haben mehr als 60.000 Fachkräfte an der Befragung teilgenommen, darunter rund 3.000 in Deutschland. Die Studie bietet aktuelle Einblicke in die Erwartungen, Prioritäten und Karriereentscheidungen von Beschäftigten.