Der Umbruch am Arbeitsmarkt, der durch die Industrie 4.0, Automatisierung und Zunahme von Lieferdiensten ohne menschliche Eingabe verursacht wurde, ist bereits ausreichend dokumentiert. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass sich die sozioökonomischen Bedingungen tiefgreifend verändern werden und dass diese Umwälzungen nicht mit den bisherigen vereinzelten Upgrades zu vergleichen sind.  

In diesem Zusammenhang stellen sich interessante Fragen: Sind wir als Arbeitskräfte sozial und psychisch für ein Mehr an Freizeit vorbereitet? Können wir aus unserer sozioökonomischen Geschichte, aus der Erfindung der Dampfmaschine und des Stroms lernen? Wie haben wir die Veränderungen in der Arbeitswelt bewältigt, als der Computer zu einem festen Bestandteil unseres Berufslebens wurde? 

Entwicklung von Jobs auf allen Ebenen

Automatisierung wirkt sich zunächst auf gewerbliche Arbeitsplätze und sich wiederholende Arbeitsvorgänge aus. Allerdings weisen jüngste Trends im Bereich KI (Künstliche Intelligenz) wie etwa Deep Learning und natürliche Spracherkennung darauf hin, dass künftig auch Büro-Jobs und kreative Berufsbilder ähnlich betroffen sein werden. 

Die Automatisierung durch innovative Robotik und KI beschränkt sich nicht allein auf Arbeitsplätze auf Einstiegsniveau. Zudem können wirtschaftliche Gewinne durch die Senkung der Arbeitszeit für routinemäßige Aufgaben und Dienstleistungen erzielt werden, die von Führungskräften ausgeführt werden. Wird es für den Arbeitnehmer von Vorteil sein, wenn er mehr Zeit auf intellektuell anspruchsvollere Aufgaben verwenden kann? Werden sich Mitarbeiter aufgrund dieses Umstands schneller weiterqualifizieren können? 

Wir gehen davon aus und erwarten des Weiteren: höhere Arbeitsproduktivität, verbesserte Sicherheit und eine Beschleunigung der Karriere.  

Schnelle Entwicklung neuer Berufsbilder 

Die Zunahme der Automatisierung lässt das Entstehen einer völlig neuen Arbeitswelt erahnen. Da zwischen dem Verlust des aktuellen Arbeitsplatzes und dem Antritt einer neuen Stelle stets eine zeitliche Verzögerung besteht, werden Fortbildungen und Umschulungen wichtige Erfolgsfaktoren im künftigen Stellenmarkt sein.  

Roboter und KI werden zwangsläufig einen Großteil der datengesteuerten Funktionen und der Aufgaben im Bereich Mustererkennung übernehmen. Die Interaktion zwischen Mensch und Maschine muss sich indessen verändern, damit höchstmögliche Effizienz erzielt werden kann.  

Zunächst wird die Automatisierung von repetitiven und datengesteuerten Aufgaben zu neuen Berufsbildern führen. Der Schwerpunkt liegt bei der Gestaltung von effektiver Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. In einem zweiten Schritt werden Roboter-Kollegen oder „Cobots“ Teil unserer Arbeitsteams werden. Unsere überholte Einstellung zum Unterschied zwischen Mensch und Maschine muss sich zu einer Arbeitskraft entwickeln, die sich durch Zusammenarbeit und Kooperation auszeichnet. 

Gegenreaktion Anti-Automatisierung 

Eine kulturelle Gegenreaktion auf die Automatisierung zeichnet sich bereits ab, und Unternehmen müssen ihre Einstellungsverfahren zunehmend rechtfertigen. Die Beschäftigung von Menschen kann sich zu einer weiteren Metrik der sozialen Verantwortung entwickeln.  

Personallose Supermärkte 

Der im Juni 2017 zu ausgewählten Artikeln lancierte Moby Mart in den USA ist ein Beispiel für einen vollständig automatisierten Supermarkt. Das mobile Lebensmittelgeschäft ohne menschliches Personal verkauft Haushaltsartikel wie Brot, Milch und Reinigungsprodukte für den täglichen Gebrauch. 

Roboterärzte 

CureSkin ist eine KI-gesteuerte mobile App für Diagnosen zu Hauterkrankungen sowie Empfehlungen zu Behandlungen und Produkten. Diese Innovation zeigt uns, wie KI-Mustererkennung die Diagnosestellung durch Hautärzte übernehmen kann und wie einfach die Nachverfolgung und Kontrolle über ihren Gesundheitszustand ohne menschliche Eingriffe ist. Die Benutzer laden ein Foto ihrer Haut in die App hoch, die mithilfe künstlicher Intelligenz die Problembereiche analysiert. Die App verfügt auch über einen Chat-Service, der die AI bereichert und das maschinell betriebene Angebot weiter verbessert.  

Kreativität durch Automaten 

Mühsam erworbene Berufsqualifikationen, so glauben viele, werden zu großen Teilen in die Bedeutungslosigkeit versinken. Uns allen steht eine Zukunft bevor, in der die wirtschaftliche Produktivität von der effektiven Beschäftigung abgekoppelt sein wird. In anderen Worten: Eine Volkswirtschaft kann wachsen, obwohl die Anzahl der Erwerbstätigen im Land stetig abnimmt. Die Frage stellt sich, wie das möglich sein kann. 

McCann Advertising in Japan stellte 2016 einen KI-Creative Director ein. Die KI reagiert auf ein Produkt oder eine Nachricht mit einer optimierten kommerziellen Botschaft, die auf historischen Daten basiert. Dieses System macht unser Verständnis von Automatisierung und die Vorstellung, dass nur gewerbliche Arbeitsplätze betroffen sind, zunichte. Zudem wird aufgezeigt, dass auch eine durch Daten gesteuerte Kreativität im Bereich des Möglichen liegt. Besonders effektiv erweist sich diese für Tätigkeitsfelder, die einen hohen Grad an Mustererkennung erfordern.  

Steigende Beliebtheit des Bedingungslosen Grundeinkommens 

Politische Reaktionen auf Automatisierung werden ebenfalls einen Einfluss auf die Arbeitswelt der Zukunft haben. Angesichts der steigenden Beliebtheit des Bedingungslosen Grundeinkommens – insbesondere in Spanien und in der Schweiz – im Zuge des finnischen Pilotprojekts müssen Arbeitskräfte künftig unter Umständen nicht die gleiche Anzahl an Arbeitsstunden verrichten oder zumindest nicht unter denselben Arbeitsbedingungen, die sie heute zur Wahrung ihres Lebensstandards benötigen.

Was sind die Trends und was ist ihr Einfluss auf die Arbeitswelt der Zukunft? Wir nehmen die zukünftigen Entwicklungen genauer unter die Lupe: